Sonntag, 29. Januar 2012

Das Giraffenmädchen.

Abends liegt sie neben mir auf dem Sofa. Nuschelnd lutscht sie genüsslich auf ihrer Giraffe rum. Das arme Tier quietscht ein paar Mal verzweifelt auf, ergibt sich schließlich aber in sein Schicksal. Zwischendurch stiert das Giraffenmädchen mich fasziniert von der Seite an. Besonders glitzernde und reflektierende Brillengläser sind momentan verdammt in Mode.
Oberhalb von ihr tobt das wilde Leben. Eine Gruppe von Quietsch- und Knisterwürmern schmeißt eine wilde Party. Außen auf der Ecke sitzt gelangweilt die große Kugel-Kuh, die an das äußerste Ende der Couch verbannt wurde, da sie das Giraffenmädchen regelmäßig zu überrollen drohte.
Während wir uns einem Filmabend hingeben, fühlt sich das Giraffenmädchen dazu hingerissen uns Geschichten aus ihrer wilden Zeit zu erzählen. Ungehemmt quatscht sie zwischen die Filmdialoge - manchmal hat man gar das Gefühl, als wollte sie den Film neu vertonen. Allerdings fällt es den anwesenden zunehmend schwer anhand der neuen Textspur der Filmhandlung zu folgen. Es scheint als wenn das Giraffenmädchen nicht von dieser Welt ist - oder vielleicht redet sie auch einfach nur Arabisch, da keiner der Anwesenden dessen mächtig ist.
Filmabende findet das Giraffenmädchen generell langweilig. Wenn es ihr zu öde wird, dann ruft sie laufstark zur nächsten Spielrunde auf. Im moment stehen "Hoppe hoppe Reiter" und "komm ich rassel dir was vor" ganz oben auf der Hitliste.
Nach einem letzten Besuch bei der Milchbar, die neben mir auf dem Sofa sitzt, wir das Giraffenmädchen dann schließlich zur Laser-Lichtshow ins Schlafzimmer verfrachtet.

Gute Nacht!

Donnerstag, 19. Januar 2012

Kollektives Mitleid.

"Dass Sie das beschäftigt, dass sieht man Ihnen an. An Ihnen ist ja auch kaum noch was dran, dabei waren Sie doch eh immer so schlank..."
- so sprach unlängst die klatschsüchtige Sekretärin eines Archives zu mir. Und das tut mir sehr leid für sie, dass sie scheinbar was an den Augen hat, ich fühle mich momentan nämlich wohlgenährt und habe eher ein Defizit an Sport und einen beträchtlichen Schokoladenkonsum. Ihr Kommentar lässt höchstens die Frage aufkommen, woher SIE denn nun von meinem "Schicksal" weiß.

Manchmal gibt es schwierige Phasen im Leben, die man aushalten muss, ohne dass man etwas daran ändern könnte. Und natürlich bin ich das momentan phasenweise der Verzweiflung na, da ein Mensch, der mir sehr nahe steht etwas schreckliches durchleben muss, ohne dass ich wirklich helfen könnte. Nur am Bett sitzen und da sein, reden..., das ist alles. Aber mir hilft es da nicht, wenn die neugierigen Kollegen dann meinen, dass sie einen der Reihe nach ausfragen bzw. mich den liebenlangen Tag von der Seite mitleidig anschauen müssten.

Man meint es wohl nur lieb mit mir.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Erster Arbeitstag.

Heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Diesen habe ich vor allem damit Verbracht, brav meinem Chef durch das Haus nachzulaufen und unter immerwährenden Anmoderationen desselbigen gefühlten 500 Menschen die Hand zu schütteln. Dabei habe ich krampfhaft versucht mir die Architektur und die Abteilungen des Hauses einzuprägen, stelle mich innerlich jedoch darauf ein, die nächsten Wochen verzweifelt durch die Gänge zu irren auf der Suche nach irgendeinem Büro bzw. irgendeiner Person. Schließlich habe ich eine ganze Menge Kaffee getrunken, mir von einem ITler meinen Arbeitsplatz einrichten lassen und mir von meinem Chef die Haustechnik bzw. die Technik im Haus erklären lassen.

Mein Chef ist sehr hilfbereit und lässt sich, sobald er einmal angefangen hat zu erklären, ungerne bremsen. So kam es zuweilen zu amüsanten Szenen, zum Beispiel wenn er mir eine Viertelstunde lang den abteilungseigenen Kopierer erläuterte. Einwürfe über meine umfangreichen Kopierkompetenzen wurden erfolgreich ignoriert. So stand ich da, geduldig lauschend, wie man das Papier auf dem Kopiergerät ausrichten muss, wie man durch richtiges Einlegen das Papiers den Papierselbsteinzug des Gerätes in Gang bringt, wie man scannt statt kopiert, wie man Din-A3 auf Din-A4-Größe verkleinert...

Letztendlich wurde ich dann aus diversen Schränken mit Ausstellungskatalogen, Broschüren, Prospekten, Geschäftsberichten, Flugblättern und Ausstellungsführern ausgestattet, bis ich nicht mehr tragen konnte. ("Lesen Sie sich mal ein.")

Dann habe ich abermals Kaffee getrunken, diesen weggetragen und die rosanen Toilettentüren für die Mädchentoiletten bewundert. Als ich dann endlich wieder mein Büro gefunden hatte, konnte ich nach einer Phase des "Einlesens" auch schon Feierabend machen und dem Haus auf technischem Wege mitteilen, dass ich nun gehe.

Wundervoll. Nächste Woche folgt dann der zweite Streich.

Espressionismus

Impressions to go.

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